Obwohl dieses Datentool im März 2012 online ging, sind nur die Geburten bis 2010 enthalten. Warum – in den Zeitungen liest man doch teilweise schon sehr zeitnah über die jüngste „Babywelle“ in Gemeinde, Stadt oder Land?
Stimmt. Aber diese Zahlen sind meistens falsch. Tatsächlich gibt es aussagefähige Zahlen darüber, wann wo wie viele Kinder zur Welt kamen, erst im August des Folgejahres, und zwar bei den statistischen Ämtern (nicht etwa bei den Krankenhäusern!). Für die Monate des Jahres 2012 also im August 2013. Das Statistische Bundesamt (destatis) veröffentlicht diese Daten mit dem Quellenhinweis „Tabelle N30“. Nur dieser Quelle sollte man trauen.
Zwar liegen auf den verschiedenen Ebenen der amtlichen Statistik – Standesämter der Gemeinden und Städte, statistische Landesämter und Bundesamt – schon vorher Angaben zu den Geburten nach Monaten vor. Aber sie sind noch nicht richtig zugewiesen. Weder räumlich noch zeitlich.
Die Neugeborenen werden nämlich zunächst dem Ort zugeschrieben, an dem sie registriert wurden. Das ist häufig z.B. dort, wo das Krankenhaus ist, in dem die Mutter niederkam. Vom Wohnort der Eltern, der meistens eigentlich interessiert, kann dies um einiges entfernt sein, zumal in ländlichen Gebieten (u.a. deshalb sind auch Kliniken als direkte Datenquellen nicht unbedingt geeignet). Nicht einmal die Zuordnung nach Ländern stimmt zu diesem Zeitpunkt, denn einige gebären nicht in dem Bundesland, in dem sie wohnen.
Zeitlich tragen die amtlichen Geburtsmeldungen zunächst den Monat ihrer Lieferung bzw. amtlichen Bearbeitung, nicht aber den der tatsächlichen Geburt. Oft stimmen beide nicht überein. Gerade zum Jahreswechsel nicht, wenn viel Feiertage sind. Dann ist häufig nicht einmal das Geburtsjahr richtig.
Verloren sind die korrekten Angaben natürlich nicht. Es dauert nur einige Monate, bis die amtlichen Statistiker sie alle bearbeitet, untereinander abgeglichen und bestätigt haben. Wenn letztlich die N30-Daten vorliegen, stimmt alles.
Solche N30-Zahlen stecken auch in der Zeitmaschine von „Wann die Kinder kommen“. Destatis gibt bloß die Gesamtsummen pro Monat heraus. Um saisonale Abweichungen der einzelnen Monate vom Jahresmittel richtig zu berechnen, muss man unbedingt zuerst die Tagesdurchschnitte bilden, die Monatssummen also durch die korrekte Zahl der Tage in jedem Monat teilen (mit Rücksicht auf Schaltjahre).
Sonst kann allein der Unterschied von Januar zum Februar einen Unterschied von Minus zehn Prozent ausmachen, auch wenn in beiden Monaten pro Tag gleich viele Babys kamen. Denn wenn der Februar nur 28 Tage hat, ist das schon zehn Prozent weniger als im Januar. Man sähe also einen deutlichen Rückgang in der Saison-Grafik, obwohl es gar keinen gibt.